Selbach-Oster

Weingut

Herbstberichte

Herbstbericht 2011

Der Jahrgang 2011 im Weingut Selbach-Oster

2011 war an der Mittelmosel ein ungewöhnliches Jahr.
Nach strengem Winter begann der Frühling 2011 sehr früh mit einem überdurchschnittlich warmen März. Der April brachte noch wärmeres, trockenes Wetter. Im Mai befanden wir uns schon mitten im gefühlten Sommer, dem Kalender weit voraus! Einher mit der Wärme ging ein großer Vegetationsvorsprung aber auch eine ungewöhnliche Trockenphase von 10 Wochen, die sich in der Natur ab Mitte Mai als Trockenstress bemerkbar machte. Hievon blieben die alten Reben aufgrund ihres tiefen Wurzelsystems allerdings verschont.
Der dringend benötigte Regen erreichte uns mit einem gewaltigen Gewitter am ersten Juniwochenende. Leichter Hagel von ca. 2 Minuten Dauer, den dieses Gewitter mitbrachte, richtete zum Glück keine nennenswerten Schäden an. Während das Juniwetter insgesamt sommerlich war, zeigte sich der Juli zwiespältig zwischen einer warmen ersten und unbeständigen zweiten Hälfte. Dieses Wechselwetter zwischen milden und kühlen Tagen, Schauern und Sonnenschein setzte sich bis zur dritten Augustwoche fort. Insgesamt aber hatten wir mit dem Sommerwetter an der Mosel sehr viel Glück. Die Rebe ist überdies mit Temperaturen von über 20° C und langem Tageslicht für die Photosynthese ausreichend versorgt. Alle Zeichen standen während des gesamten Sommers auf einen sehr guten und sehr frühen Herbst, während in anderen Teilen Deutschlands (und in der Presse) der Eindruck eines ausgefallenen Hochsommers entstand.

Unsere Vorfreude wurde am 26. August durch einen katastrophalen Hagelsturm unterbrochen, der im Herzen der Mittelmosel eine Schneise der Verwüstung hinterließ und uns besonders in Zeltingen und Wehlen hart traf, wogegen die Schäden in Graach deutlich geringer waren und Bernkastel ( im Gegensatz zu Kues auf der anderen Moselseite ) nahezu ungeschoren davon kam. Die Gegensätze von katastrophalen und "nur" mäßigen Hagelschäden, z.T. auf engster Distanz, waren extrem, die Schäden ( an Dächern und Fahrzeugen noch schlimmer als an der Natur ) insgesamt gewaltig. Einen Eindruck erhält man bei der Eingabe des Stichworts "Hagel Zeltingen" auf You Tube!
Freundliches, trockenes Wetter im Anschluß an das Gewitter und ein überwiegend sonniger, trockener und sehr warmer September verhinderten die befürchteten Fäulnisnester in den angeschlagenen Weinbergen und brachten die verbliebenen Trauben erstaunlich gesund zur Vollreife.
Früher Lesebeginn und intensive Selektionsarbeit in den hagelgeschädigten Parzellen legten den Grundstein für eine Bilderbuchernte, die bei Bilderbuchwetter mit z. T. hochsommerlichen Temperaturen eingebracht wurde. Die früh gepflückten Trauben brachten ein gutes Säurepolster mit, während die spät gelesenen Parzellen sehr hohe Mostgewichte mit vergleichsweise niedrigen, harmonischen Säurewerten ergaben. Rekordverdächtig waren, von der Güte der Früchte selbst, bis zu deren Säure- und Zuckerwerten, die in zeitraubender Selektionsarbeit eingesammelten, mehrfach sortierten, edelfaulen Beeren. Moste von solcher klarer, honigsüßer Fruchtigkeit mit guter Säurebalance erntet man nur in Ausnahmejahren und wenn die langsam perlenden Gärungen dieser "dicken" Moste im nächsten Jahr einmal zu fertigen Trockenbeerenauslesen geworden sind, kann man - nein sollte man - sich, Kindern und Kindeskindern einige kleine Flaschen edelsüßen Nektars aus 2011 sichern. Wir selbst sind sehr gespannt auf diese Köstlichkeiten.
2011er Wein zeichnet sich durch reife Fruchtaromen von gelben Früchten und geschmeidig-harmonische Säurewerte aus. Die Jungweine präsentieren sich sehr reintönig, duftig, saftig mit verspielter Fruchtigkeit. Reichhaltige Frucht, gesunde Beeren und harmonische Säurewerte machten 2011 ideal für den Ausbau fruchtig-trockener Weine. Die ersten trockenen 11er versprechen sehr viel Trinkfreude. Eine kleine Partie Gutsriesling trocken ist bereits gefüllt und der ungemein dichte, ausdruckvolle '11er Weißburgunder folgt nächste Woche.
Freunde unserer Weine wissen, dass wir elegante, bekömmliche, mineralisch-kühle Rieslinge mögen und den durch das geänderte Klima immer weiter verbreiteten, wuchtigen "Sattmachern" vorziehen. Dieser Spagat scheint mit 2011 zu gelingen und wir sind zufrieden, auch wenn uns der Hagel einen Teil der Ernte gekostet hat und der nicht stattfindende Winter uns mit unseren schönen, ursprünglich kerngesunden Eisweintrauben im Stich lässt ( die wir daher sehr bald, da für Eiswein dann nicht mehr brauchbar, dem Humuskreislauf zuführen werden ).

Andere Herbstberichte

2010 | 2009

Weingut Selbach-Oster Uferallee 23 54492 Zeltingen TEL 06532 2081 FAX 06532 4014